Kulturelle Präferenzen

Themen

  • brain science and cultural imprints
  • preliminary conclusion
  • Personal freedom differs per culture
  • personal experience
  • culture and energy
  • culture and trust
  • cultural contrast – self determined or externally controlled?
  • cultural contrast – freedom or democracy?
  • culture and fear
  • culture profiling
  • @brain science and cultural imprints

    Offensichtlich hat das kulturelle System in dem wir aufwachsen, einen empirisch nachweislichen Einfluss auf unser Lernverhalten, die Entscheidungsfindung, unsere Wahrnehmung von Zeit und unser Kommunikationsverhalten. Aber gibt es neben dem empirischen Nachweis über Studien auch eine Plausibilität durch Forschungsergebnisse in der Neurobiologie? Ja, gibt es. Neurologische fMRI Scans aus den USA zeigen, je höher die Komplexität einer Aufgabe ist, desto weniger Energie (gemessen in Hirnaktivitäten im Neocortex) brauchten ostasiatische Versuchsteilnehmer zur Bewältigung. Mit abnehmender Komplexität der Aufgabe wird mehr Energie benötigt. Bei Nordamerikaner findet sich das genaue gegenteilige Energiemuster. Hohe Komplexität der Aufgabe erfordert eine vergleichsweise hohe Hirnaktivität des Neocortex und entsprechend niedriger Aktivität bei niedriger Komplexität. (The Human Brain, Rita Carter, S.195. Cultural Influences.)
    Die Automobilindustrie berücksichtigt die unterschiedliche kulturelle Prägung bereits heute in ihrer globalen Produktpositionierung. Volkswagen beispielsweise präsentierte den Passat CC 2012 in amerikanischen Werbespots oder Anzeigen möglichst ohne in einen Kontext einzubinden. Der visuelle Werbefokus und die Botschaft lagen einzig und allein auf dem Fahrzeug selbst, seine fortschrittliche Technik, sein Design, seine Sicherheit, seine generationsübergreifende Attraktivität oder sein Komfort (Werbespot USA). In China wurde der Passat CC im gleichen Jahr in einem glamourösen, urbanen Umfeld als Statussymbol der aufstrebenden Mittelschicht für Erfolg platziert. Technische Daten rücken in den Hintergrund, sie sind nicht das primäre Entscheidungskriterium (Werbespot China). Emotionale Erfahrung statt rationale Entscheidungskriterien ist die Grundlage der Passat Positionierung in China. Das Rollenverständnis innerhalb der Gesellschaft beeinflusst die Entscheidung stärker als die individuellen Bedürfnisse.
    #michael

    @brain science and cultural imprints

    Der rechte assoziative Neocortex ist der Sitz unseres individuellen-soziales ICH. Er ist unsere Entscheidungszentrale und das Zentrum unserer bewussten Gefühle und Motive, auf ihr werden u.a. Sozialisation und Empathie geprägt, unser eigenes Handeln abgewägt und Risiken eingeschätzt. Der linke assoziative Neocortex beherbergt unser kognitiv-kommunikatives ICH, unsere Beratungszentrale. Der Sitz unserer sinnlichen Erfahrungen, Gedanken, Erinnerungen sowie Planungszentrum. In diesen beiden Zentren des corticalen Cortex befindet sich der Sitz unseres Bewusstseins. Die allermeisten Informationen, die der Cortex verarbeitet, stammen von ihm selbst. Der Cortex beschäftigt sich im wesentlichen mit sich selbst. Es ist ein selbstorganisierendes System mit insgesamt 300 bis 450 Billionen Synapsen, die überwiegend lokal verknüpft sind (SELBSTBEZÜGLICHKEIT). Die Neurobiologie unterscheidet das Bewusstsein zwischen der bewusst erfahrenen Erlebniswelt (ACTUALITY) und einer bewusstseinsunabhängigen Welt (REALITY). Das bewusste ICH kann die Herkunft von Empfindungen und Emotionen nicht zu den unteren oder mittleren limbischen Zentren (subcorticaler Cortex) zurückverfolgen. Unser Bewusstsein nimmt den starken Einfluss durch die subcorticale limbische Ebene nicht wahr. Es fabuliert und liefert Pseudoerklärungen, die einerseits dem Selbstwertgefühl (Individualität) und andererseits den Erwartungen der sozialen Umgebung am besten entsprechen (Rollenverständnis). Unsere Erlebniswelt, also unsere Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle und Vorstellungen, sind ein Konstrukt (HOLOGRAMM) unseres Gehirns, wesentlich beeinflusst durch unsere kulturelle Prägung1. Unser Hologramm liefert die perfekte Illusion.

    #michael

    1 aus ´Wie das Gehirn die Seele macht`, Roth+Strüber, 2014

    Anmerkung: Die Neurobiologie kann heute Bewusstsein nachweisen durch die Synchronisation der Nervenbahnen und die Konzentration der Neuromodulatoren in bestimmten Arealen des Neocortex.  Allerdings kann die Neurobiologie  NICHT die subjektive Erlebniswelt des Einzelnen durchdringen!

    @preliminary conclusion

    Kultur ist uns schicksalhaft gegeben und sie bestimmt wesentlich wie wir die Dinge sehen, denken und handeln, sie prägt unser Verhalten und letztendlich unseren Charakter. Wir sehen die Welt also nicht wie sie ist, wir sehen sie so wie wir sind. Unsere kulturelle Identität ist die Ausprägung von Individualität, dem Rollenverhalten in Teams, unsere Einstellung gegenüber Führungsverantwortlichen und unsere Haltung mit Regeln des Ordnungssystems umzugehen. 
Diese vier unterschiedlichen Dimensionen unseres Verhaltens geben uns Aufschlüsse über die Führungsleitbilder, den Wert, den die Menschen Regeln und Prozessen zuordnen, die Einschätzung der individuellen Rechte und Freiheiten sowie die Pflichten und Verpflichtungen die Menschen in der jeweiligen Gemeinschaft bereit sind einzugehen. In unserem Model stellt der Kreis die Vielfalt unserer unterschiedlichen Verhaltensweisen dar. Die vier Himmelsrichtungen symbolisieren die cultural dimensions. Die Ausprägung jeder einzelnen Dimension ergibt ein Profil, ein Personal Culture Profile (PCP). Es zeigt unser „Koordinatensystem“ von Freiheit, unsere Wohlfühl- und Komfortzone. Offensichtlich empfindet jeder von uns seine individuelle Freiheit unterschiedlich. Allerdings prägt die Gemeinschaft, in der wir aufgewachsen sind und leben, sehr dominant unser Freiheitsempfinden. Daher können wir nationale Profile oder Organisationsprofile gut abbilden, und wir können Rückschlüsse auf Verhaltensmuster ziehen.
    #michael

    @Personal freedom differs per culture

    Die vier Dimensionen unseres Verhaltens beinhalten spezifische Cluster, die zu kulturabhängigen Orientierungen führen; Aktions-, Prozess-, Aufgaben- und Rollenorientierung.
    Aktionsorientierte Kulturen finden wir überwiegend in anglo-sächsischen Ländern. Grossbritanien oder die USA fokussieren ihre Energien auf konkrete, greifbare Ziele und Handlungen. Ergebnisse müssen messbar sein. Dinge sind transparent und für jeden sichtbar. Geschwindigkeit ist entscheidend daher werden Sachverhalt einfach gehalten. Der Nike Slogan “Just do it“ bringt es auf den Punkt. Sei entscheidungsfreudig, was du beginnst ziehe durch. Sieger haben die Ausstrahlung, um Menschen zu begeistern.
    Prozessorientierte Kulturen finden wir überwiegend in Lateinamerika, Süd- und Osteuropa (Brasilien, Frankreich, Russland). Hier steht der Denkprozess im Vordergrund. Hierarchien geben Sicherheit. Entscheidungen sind gut und lange vorbereitet. Zeit ist ein Investment. Das Leben ist ein komplexer Prozess, eine Kunst. Jede neue Situation erfordert eine neue Bewertung.
    Aufgabenorientierte Kulturen haben sich in nordeuropäischen Ländern (Schweden, Niederlande) entwickelt. Persönliche Freiheit und individuelle Verantwortung werden in diesen Kulturen stark betont. Menschen sind gleichwertig und arbeiten zusammen, um eine gemeinsame Aufgabe zu erfüllen. Die Kommunikation ist sendungsbewusst, direkt und fordernd.
    Rollenorientierte Kulturen (Asien, Afrika) betonen die Gemeinsamkeit. Jeder hat seine Rolle und Verpflichtung. Verantwortung wir geteilt und gemeinsam getragen. Hierarchien sind wichtig für die persönliche Sicherheit und Stabilität. Autoritäre Gesellschaftsformen werden nicht als Bedrohung empfunden. Kommuniziert wird nur auf der gleichen Ebene (horizontal). Risiken und offene Konflikte werden vermieden.
    Die Unterschiedlichkeiten sind offensichtlich und die eine Millionen Euro Frage ist natürlich: Wie schaffen wir es, Kulturen so anzunehmen wie sie sind, ohne sie mit der unseren zu vergleichen und zu (be)werten?
    #michael

    @personal experience

    Soweit die Theorie. Aber was heißt das in der Praxis? Sind die Unterschiede wirklich erfahrbar?
    Nach knapp zehn Jahren der Karriereochsentour in der deutschen Niederlassung eines amerikanischen Unternehmens, wagte ich 1992 den Sprung auf die internationale Bühne im gleichen Konzern. Verantwortlich für spezielle Arbeitsschutzprodukte in Europe, Osteuropa, dem Mittleren Osten und Afrika. Mehr als 50 Länder lagen in meiner Verantwortung, von Moskau bis Lissabon, von Dublin bis Istanbul, von Mailand über Dubai bis Karatschi und weiter nach Südafrika. Meine erste große Herausforderung war aber Russland.
    Ich kann mich gut an meinen ersten Besuch in Moskau erinnern, im November 1993. Da saß ich gut geschult in der russischen Niederlassung unseres Konzerns, mit der klaren Zielsetzung vor Augen Umsatz und Gewinn in den nächsten drei Jahren zu verdoppeln. `Let go, just do it!´ Was braucht ihr und wie gehen wir vor. Ziele, Strategie, Programm, Projekte, Verantwortlichkeiten und Zeitplan. Alles fein säuberlich erarbeitet und dokumentiert. Auf dem Rückflug nach Düsseldorf war ich mir sicher, jetzt geht die Post ab. Wer aber mal mit der russischen Post zu tun hatte, der weiß das Briefe schon mal mehrere Wochen unterwegs sind.
    Bei meinem nächsten Besuch mehrere Wochen später schien auch mein Business Plan noch in den Köpfen meiner Mitarbeiter unterwegs zu sein. Er hing noch an der gleichen Stelle im Büro und hatte bereits etwas Staub angesetzt. Von der Umsetzung waren wir Lichtjahre entfernt. Warum? Das ist eine der wenigen Fragen, die man in Russland nicht stellen sollte. Warum, ist die Kernfrage unserer westlichen Logik. Gerade wir Deutschen wollen der Sache immer auf den Grund gehen. (Kommt wohl von Kant 🙂 .) Ich wurde von Kindesbeinen darauf gedrillt das Prinzip von Ursache und Wirkung zu verinnerlichen. Aber Russen denken nicht linear. Es gibt durchaus auch Folgen ohne Ursache, mehrere Lösungen auf eine Frage, Leben ohne Ziele, Dinge, die aus dem Nichts entstehen und auch wieder vergehen. Für die meisten Russen ist alles Materielle geliehen. Geld spart man nicht, man gibt es aus solange es da ist, die nächste Krise steht bestimmt schon vor der Tür, und was weg ist, ist weg. Ich habe immer wieder die Grundhaltung des Pessimismus in Russland getroffen, aber nie Fatalismus.
    Den Business Plan haben wir nochmals aufgedröselt. Bei diesem Besuch habe ich zwei Tage nur zugehört, warum das so nicht funktioniert und was alles schiefgehen kann. Ich hatte verstanden, dass ich mit der für mich einzig gültigen Lösung keinen überzeugen konnte. „Sage mir was ich tun soll, und ich bin dagegen.“ Als ich diese Grundhaltung begriff, begann die eigentliche Arbeit. Etwas, was man auf keiner Business School lernen kann, tiefes Vertrauen aufbauen, sich mit den Menschen verbinden.
    #michael

    @culture and energy

    Wir haben den Umsatz in drei Jahren mehr als verdoppelt und Russland war (neben Frankreich) längst zu meinem ´Lieblingsland` geworden Dann kam der August 1998 und mit ihm die nächste Krise. Ich war gerade in Moskau angekommen. Im Hotel stand immer ein kleiner versteckter Aufsteller an der Rezeption, der den aktuellen Rubelkurs zu einem imaginären Unit-Wechselkurs auswies. Es gab keine offiziellen Wechselkurse zu Fremdwährungen, allerdings einen blühenden Schwarzmarkt besonders mit Dollar und  DM. Um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, wiesen internationale Hotels den Rubel in Units aus. In der Nacht zum 17.August fiel der Rubel auf ein Drittel seines Wertes und mit ihm fiel die russische Mittelschicht auf den Anfang der 1990ziger Jahre zurück. Die Wirtschaft brach dramatisch ein. Importe wurden unbezahlbar. Unsere Niederlassung entließ die Hälfte seiner Mitarbeiter. In Frankreich hätte ein vergleichbare Krise zur Revolution geführt, in Deutschland zu kollektiver Depression, aber nicht so bei den Krisen- und Lebenskampf erprobten Russen.

    Die Kombination aus Pessimismus (Krise? Wir haben immer Krise) und bedingungslosen Patriotismus* (groß, schön, unbesiegbar) setzt kollektive Improvisationsenergien frei, die an Kreativität kaum zu überbieten sind. Ich erlebe Russen als eher passive Menschen, aber mit einer einzigartigen Fähigkeit, sich schnell zusammenzuschließen, mit geringsten Mitteln wirksam zu improvisieren und sehr schnelle Erfolge zu erzielen. Ich nenne dieses Phänomen, ´Impulseworking`, und das bewährt sich besonders in Krisenzeiten. Aus Passivität und Disziplinlosigkeit wird ein energetisches Gemisch zur Überlebensstrategie in Krisen. Die Reihen und Schultern werden geschlossen, und das trifft auch auf die gegenwärtige Situation zu. Russen entwickeln ihr volles Potential in Krisenzeiten. Sanktionen oder Angriffe von aussen wirken da wie ein Katalysator.

    #michael

    *Im Gegensatz zu einem kritischem Patriotismus in vielen aufgaben -und aktionsorientierten westlichen Kulturen, der an rationale Bedingungen geknüpft ist.

    @culture & trust

    Spannend war immer der Kontakt mit russischen Kunden. Auf der bedeutendsten Arbeitsschutzmesse in Düsseldorf hatten meine Mitarbeiter ein Treffen mit dem Arbeitsdirektor der russischen Eisenbahnen vereinbart. Eine hochoffizielle Besprechung mit Dolmetscher, vom Russischen ins Englische. Nach dreißig Minuten gingen wir friedlich und unverbindlich auseinander. Sechs Wochen später fand ein weiteres Treffen in St. Petersburg statt. Diesmal dolmetschte einer meiner Mitarbeiter die Unterredung, und ich wurde eingeladen auf der Sicherheitskonferenz der russischen Eisenbahnen einen Vortrag zu halten. Bei der Ankunft in Moskau vor dem Konferenzgebäude empfing mich der Herr Arbeitsdirektor zur Begrüssung in perfektem Englisch. Das Eis zwischen uns war gebrochen, wir sprachen sprichwörtlich die gleiche Sprache. In den nächsten Jahren haben wir siebenstellige Umsatzzahlen mit den russischen Eisenbahnen geschrieben.
    Ohne Vertrauen ist in Russland keine Geschäftsverbindung möglich. Ich habe russische Geschäftspartner in Erstkontakten als misstrauische Menschen empfunden, Ausländern gegenüber weniger als untereinander. Das Misstrauen untereinander (mit Ausnahme der besten Freunde und Familie) ist in meinen Augen ein wesentlicher Hemmschuh für die Entwicklung des Landes.
    Augenblick, werden manche einwenden, ohne Vertrauen passiert auch in der westlichen Geschäftswelt nichts. Nur die Art des Vertrauens, die aufgaben- sowie aktionsorientierte Kulturen hier meinen, basieren auf Wissen und Information oder aber auf der Grundlage von schriftlichen oder mündlichen Verträgen. `Take it, or leave it´. Diese Art des Vertrauens spielt in Russland eine eher ungeordnete Rolle. Die russischen Partner, die ich kennengelernt habe, brauchen emotionales Vertrauen. Gemeinsame Werte, gemeinsame Ziele, eine gemeinsame Identifikation mit der Sache, die Aufgabe als intellektuelle Herausforderung verstehen (wobei das Ergebnis häufig weniger wichtig ist). Wenn dieser „Kitt“ des emotionalen Miteinanders da ist, entsteht eine tief wurzelnde Verbindung.
    #michael
    Anmerkung: Das Misstrauen untereinander gilt nur innerhalb der russischen Grenzen. Sobald russische Mitbürger von aussen angegriffen werden oder aber im Ausland in Not geraten, ist die Hilfe und Loyalität ´grenzenlos`.

    @cultural contrast – self determined or externally controlled?

    Wie war nochmals die eine Million Dollar Frage? Ach ja, wie schaffen wir es, Kulturen so anzunehmen wie sie sind, ohne sie zu bewerten oder gar verurteilen? Das wird immer dann relevant, wenn zwei Kulturen mit unterschiedlichen Profilen im gesellschaftlichem, politischem oder geschäftlichem Miteinander aufeinander treffen. An dem Beispiel USA-Russland wird deutlich, dass die Schnittmenge beider Kulturen sehr gering ist*. Auf der einen Seite die aktionsorientierte amerikanische Kultur, rational und zukunftsorientiert, aktiv, Herausforderungen liebend, ergebnisorientiert, immer das Neue im Visier. Auf der anderen Seite die prozessorientierte russische Kultur, emotional und vergangenheitsorientiert, abwartend, auf Erfahrung bauend, Fehler vermeidend, Ausnahmen von der Regel zulassend und immer den intellektuellen Reiz im Blickfeld. Die Falle, in die wir mit einem wiederkehrenden Automatismus laufen, ist unsere Bewertung der mit der Orientierung einhergehenden Verhaltensweisen. Wir fühlen uns selbstbestimmt und sind doch fremdgesteuert durch unsere eigene kulturelle Prägung. Kultur hat eine nicht zu vernachlässigende manipulative Wirkung. Die Illusion der Selbstbestimmtheit führt unweigerlich zu verdeckten Konflikten. Wir vergleichen unsere Eindrücke und Erfahrungen mit dem Andersartigen und minimalisieren, ignorieren oder aber werten das Fremdartige ab. Häufig führt dann eine Missionierung der andersartigen Kultur mit dem eigenen, gesellschaftlich geprägten Werte- und Glaubenssystem zu offenen Konflikten, bis hin zu Kriegen. Dieses schematische Verhalten finden wir sowohl auf der persönlichen, wie auch auf der gesellschaftlich nationalen Ebene. Die evolutionäre Herausforderung für uns alle besteht darin, andere kulturelle Prägungen zu verstehen, sie anzunehmen ohne sie zu übernehmen. Nur dann ist ein Ausgleich nachhaltig möglich. Ich denke, hier hat die europäische Gemeinschaft nach dem 2. Weltkrieg eine beispielhafte Vorreiterrolle geschaffen. Zu Recht ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis.
    #michael

    * Daten der Model-of-Freedom association. Die Datenbank umfasst mehr als 50 Länder mit ihren kulturellen Orientierungen. Mehr dazu unter www.model-of-freedom.com

    @cultural contrast – freedom or democracy?

    Unlängst begegnete mir ein Buchtitel ´Freiheit statt Demokratie – Russlands Weg und die Illusion des Westens.` Ein provokanter Titel für all jene, wie mich, die Demokratie als die ultima ratio eines gesellschaftlichen Zusammenlebens ansehen. Aber ist die Prämisse das Demokratien und damit der liberale Humanismus universell, immer und überall anderen Gesellschaftsformen überlegen sind, richtig? Humanismus bedeutet, die Einzigartigkeit des Menschen gilt als Postulat (was wissenschaftlich widerlegt ist) und daraus leitet sich das Recht auf Freiheit und Gleichheit ab, und somit die universell gültigen Menschenrechte. Aber was ist, wenn Kulturen den Schutz und die Sicherheit die ihnen andere Staatsformen (Autokratien) bieten, höher bewerten? Russland als Demokratie zu bezeichnen, wäre sicherlich vermessen. Aber es ist auch keine Diktatur, eher eine Autokratie in der Ausprägung eines autoritären populistischen Kapitalismus. Ist aber Amerika noch eine Demokratie? Oder auf dem Weg in eine Plutokratie der Eliten eines libertären Finanzkapitalismus?
    Für meine russischen Freunde ist ´Freiheit` als Wohlfühl- und Komfortzone immer dann erfahrbar, wenn sie das Gefühl haben, tun und lassen zu können, was sie wollen.(am liebsten im täglichen Verkehrschaos ☺.) Sie sind immer auf der Suche nach der Nische im System, nach dem rechtsfreien Raum ohne Struktur, Gesetz und Institution. Rebellentum ohne gleich in Anarchismus zu verfallen*. Das Menschen auf einer kaum befahrenen Strasse vor einer roten Fussgängerampel stehenbleiben, ist für meine russischen Bekannten unvorstellbar. In der russischen Mentalität suchen die Menschen Freiheit von, dem jeweils gültigen Ordnungssystem. Und jenen, denen es gelingt, sind belächelte ´Helden`. Demokratie ist Opportunismus. Gleichheit ist in Russland eine Illusion, die man aus amerikanischen Büchern und Filmen kennt, und der häufig kreativ mit Schmiermitteln nachgeholfen wird. Russischer Harz, der das Miteinander emotionaler und häufig menschlicher macht. Gesetze sind im metaphorische Sinne, in alle Richtungen dehnbare Gummibänder. Das soll keine Lobbeshymne auf Korruption sein. Aber ist nicht der Lobbyismus in den USA oder Europa auch eine verdeckte Form der Korruption? Gesetzvorlagen werden von Firmen- oder Verbandsjuristen konzipiert und formuliert. Die Ministerialbürokratie übernimmt die vorgefertigte Gesetzesausarbeitung zur weiteren Legitimierung im Parlament. Verdeckte Korruption zum Vorteil weniger Privilegierter und zu Lasten vieler. Die Gegenleistung erfolgt Jahre später durch Posten auf Vorstandsebene.
    Auch in den USA wird Freiheit als den geringst möglichen Einfluss des Staates auf seine Bürger interpretiert, sowie den Schutz des individuellen Eigentums (notfalls mit Waffengewalt). Eine Art ´souveränes Individuum`, allerdings im Rahmen der Gesetze und legitimierten Institutionen. Freiheit zu selbstbestimmten Handeln im jeweils gültigen Ordnungssystem. Konformismus ohne gleich in eine Schockstarre des Konservativismus zu fallen.
    Nur wenn ich beide Ansätze verstehe und begreife, kann ich mich in die Denkstruktur des Anderen hineinversetzen und meine Schlüsse daraus ziehen und mein Verhalten anpassen. Das ist für mich Culture Intelligence.
    #michael
    * Hier ist die russische Kultur der Französischen sehr nahe.

    @culture and fear

    Unsere Ängste, als Teil unserer Emotionen, entspringen der mittleren limbische Ebene und werden von der Amygdala an den corticalen Cortex, dem Zentrum unseres Bewusstseins, gesendet. Die Amygdala sendet mehr Impulse an den Cortex als umgekehrt – daher ist die unbegründete, illusionäre Furcht stärker als die rationale Vernunft.
    “Fürchte, was deine soziale Gruppe fürchtet“
    Furcht ist sozial erlernt und häufig kulturellen Ursprungs. Eine unbewusst soziale Nachahmung. Es sind Sammelängste, die uns suggerieren die Kontrolle zu verlieren, ausgeliefert zu sein. Häufig diffus und widersprüchlich zum individuellen Verhalten und übrigen Lebenskonzept. Der deutsche Facebook-Nutzer hat Angst vor Verletzung der Privatsphäre und unterschreibt eine Petition gegen die Datenvorratsspeicherung. Der amerikanische Waffenbesitzer fürchtet sich vor bakteriell verseuchten Lebensmitteln und befürwortet ein Einfuhrverbot von französischen Rohmilchkäsen zum Schutz seiner Kinder. Oder aber der gesundheitsbewusste Raucher, der samstags eine Aktion gegen genmanipulierte Lebensmittel unterstützt. Es gibt viele Beispiele sozial (gemeinschaftlich) erlernter Ängste über alle Kulturen hinweg, die im Widerspruch zur Realität stehen. Aktuell befürchten sechzig Prozent aller Deutschen einen islamistischen Terroranschlag*, obwohl es in Deutschland bis zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anschlag mit Todesfolge gegeben hat und das Risiko geringer ist als von Blitz getroffen zu werden. Politik und Medien nutzen die Furcht als gesellschaftliche Projektionsfläche um das gesteigerten Sicherheitsbedürfnis auf Kosten der Freiheit zu befriedigen. ´Nur die Dummen lernen aus den eigenen Fehlern, die Klugen lernen aus den Fehlern der anderen.` ☺
    #michael

    @cultural profiling

    Kommen wir zurück zur individuelle Ebene. Wo liegen die essentiellen Unterschiede im beruflichen Miteinander?
    Personen mit hoher Individualität und einem Führungsleitbild erworbener Autorität, werden besonders auf ihre individuelle Freiheit abheben. Sie sind überzeugt von initiativem Handeln und werden sich auch im Wettbewerb mit Anderen ihrer Verantwortung stellen. Sie orientieren sich an der zu bewältigenden Aufgabe und kommunizieren bisweilen sehr direkt und fordernd. (AUFGABENORIENTIERUNG). Der Schwede Lars ist überzeugt von Teamarbeit. Alle arbeiten gemeinsam an einer Aufgabe, jeder hat seine Funktion und leistet seinen messbaren Beitrag zum Erfolg. Alle sind gleichgestellt und teilen alle vorhandenen Informationen. Aufgabenorientierte Mitarbeiter respektiert die Individualität eines jeden Teammitglieds und kommuniziert sehr direkt (auch kritisch) mit jedem Einzelnen. Prozesse, Formalitäten oder Regularien sind zweitrangig. Dem Erfolg wir alles untergeordnet. Als Teamleader ist Lars keineswegs der primus inter pares und fühlt sich den anderen Teammitgliedern nicht überlegen. Er bewertet die Teammitglieder anhand des Beitrages, den sie persönlich leisten.
    Demgegenüber sind sich Menschen mit geringerer Ausprägung an Individualität und hohem Rollenverständnis, sowie einem Führungsleitbild zugeordneter Autorität mit komplexem Ordnungssystem, ihrer Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft sehr bewusst. Sie sind diszipliniert, sicherheitsorientiert, passen sich der Gemeinschaft an und vermeiden Risiken und offene Konflikte. (ROLLENORIENTIERUNG). Für den Chinesen Chen steht das Kollektiv über dem Einzelnen. Er ist sich seiner Rolle und Verpflichtungen, die er zu erfüllen hat sehr bewusst. Dafür steckt er auch bewusst mit seinen individuellen Bedürfnissen zurück. Die Aufgabe ist für ihn eine gemeinschaftliche Herausforderungen mit geteilter Verantwortung. Die Beziehung zu den übrigen Teammitgliedern ist formal und harmonisch. Alle Schritte werden abgestimmt und Risiken werden dabei vermieden. Disziplin und Qualität sind wichtiger als die Einhaltung des Zeitplans. Alle notwendigen Entscheidungen werden formal mit der nächst höheren Hierarchieebene abgestimmt (vertikale Kommunikation). Die horizontale Kommunikation untereinander ist indirekt, förmlich und höflich. Jeder bekommt nur die Information, die für ihn notwendig ist. Ablauf- oder Ergebniskontrollen ist Bestand der Teamarbeit. Kritik ist keinesfalls beleidigt und wird gut `verpackt´. Chen wird unter allen Umständen das Team vor Einflüssen oder Kritik von aussen schützen. Diese Schutzfunktion kann wichtiger sein, als die Bewältigung der Aufgabe selbst.
    #michael

    @culture profiling

    Für John, den US Amerikaner, ist die Welt konkret und kognitiv erfassbar. Menschen mit hoher Individualität wie auch einem ausgeprägten Rollenverständnis (häufig in Form von Statussymbolen) in Kombination mit einem Führungsleitbild erworbener Autorität drücken sich vornehmlich durch Aktionen aus (AKTIONSORIENTIERUNG). Schnelle Entscheidungen, auch wenn sie risikobehaftet sind, sind allemal besser als langsam und spät zu entscheiden. Wer zu spät kommt, kann nicht erfolgreich sein. John schaut immer zukunftsorientiert nach vorne. Er delegiert Aufgaben an sein Team, wobei ihn nicht interessiert wie ein Ergebnis zustande kommt, am Ende muss nur, greifbar und für alle sichtbar, das Resultat erzielt werden. Seine Rolle im Team sieht er als Motivator, der die Energiezufuhr beschleunigt und die Ziele und Herausforderung bestimmt. Als Teamleader definiert er den Zeitrahmen und delegiert die Aufgaben und Ziele, realistisch, klar, für jeden im Team messbar und erreichbar. Kritik wird er positiv formulieren, allerdings scheut er keineswegs Konflikte. Dinge müssen schnell und erfolgreich umgesetzt werden. Mögliche Fehler, die durch nicht ausreichende Planung einstehen, werden später korrigiert.
    Savoir vivre – Das Leben ist eine Kunst und Zeit ein Investment denkt der Spanier Juan. Juan hat genaue Instruktionen von seinem Vorgesetzten bekommen, wie er das Team führen soll. Er geht analytisch an das Projekt heran, berücksichtigt alle Erfahrungen aus der Vergangenheit und bewertet den Kontext. (PROZESSORIENTIERUNG). Vor dem ersten Team Meeting hat er einen detaillierten Projektplan ausgearbeitet. Mit intelligenten Argumenten, aber vorsichtig in der Herangehensweise, präsentiert er dem Team die einzelnen Projektschritte. Ihm ist es vor allem wichtig eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der sich jeder sicher und aufgehoben fühlt. Er legt grossen Wert auf die Qualität der Arbeit, und kontrolliert dabei sowohl die Arbeitsprozesse wie auch das Ergebnis. Fehler müssen unter allen Umständen vermieden werden, daher hat für ihn die Planungsphase eine herausragende Bedeutung. Juan investiert viel Zeit, um mit jedem einzelnen seines Teams die individuellen Aufgaben persönlich und im Detail abzustimmen. Wobei er dabei allerdings eher abstrakt bleibt, als zu detaillierte Schritte festzulegen. Kritik wird er zumeist negativ formulieren. Team Meetings eröffnet er mit einer Bilanz, was bisher nicht gut lief und verbessert werden muss. Allerdings sind ihm Konflikte zuwider. Ähnlich wie Chen, wird Juan unter allen Umständen sein Team gegenüber Angriffen von aussen verteidigen.

    #michael

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